Bewerbungstipps Schlechte Karten für anonyme Bewerbungen in Deutschland

Veröffentlicht am März 8th, 2013 | von elgenialo

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Schlechte Karten für anonyme Bewerbungen in Deutschland

In den letzten Jahren wurde in Deutschland viel über das Thema „Anonymisierte

Anonyme Bewerbungen

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Bewerbung“ diskutiert. Viele Medien berichten darüber und in den meisten Fällen wird dieses Verfahren als positiv bewertet. So teilten zum Beispiel die Nachrichtenportale Die Welt und Zeit mit, dass besonders Frauen und Migranten von anonymen Bewerbungen profitieren würden und somit bessere Jobaussichten hätten. Auch beschäftigte sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit diesem Thema und wurde hierzulande das Pilotprojekt „Anonymisierte Bewerbung“ durchgeführt. Fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber haben daran teilgenommen. Christine Lüders, die das Projekt ins Leben gerufen hat, war mit dem Resultat – von 8550 anonymen Bewerbern wurden knapp 1300 zu einem Eignungstest eingeladen – zufrieden. Viele Unternehmen sehen die ganze Sache jedoch skeptisch. Enormer Zeit- und Verwaltungsaufwand sind unter anderem die Gründe hierfür.

Wie funktioniert eine anonyme Bewerbung?

Bei einer anonymen Bewerbung stehen die Qualifikationen des Bewerbers im Vordergrund und sind persönliche Informationen wie etwa der Name, das Alter, das Geschlecht oder die Herkunft zunächst unsichtbar. Erst wenn der Personalchef sich alle Bewerbungen angeschaut und einige Kandidaten ausgewählt hat, erfährt er alle Daten. Die Unternehmen, die an dem Pilotprojekt teilgenommen haben, sind unterschiedlich vorgegangen. Einige stellten Online-Formulare bereit und andere nutzten standardisierte Bewerbungsbögen, die der Bewerber zusammen mit einem Kontaktformular an das Unternehmen schicken musste.

Wieso möchte man diese Art von Bewerbungen in Deutschland einführen?

Mit diesem Verfahren möchte man die Diskriminierungsrate im Verlauf des Bewerbungsprozesses reduzieren. Eine Studie der Universität Konstanz hat hierzulande gezeigt, dass Bewerber mit einem ausländischen Namen, oder deren Name sich nur ausländisch anhört, viel schlechtere Aussichten hatten zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. In der Gesellschaft sind nicht nur Bewerber mit Migrationshintergrund davon betroffen, sondern auch Frauen mit Kindern und ältere Kandidaten. Durch die anonyme Bewerbung sollen die betroffen Personengruppen somit die gleichen Chancen erhalten wie alle anderen auch.

Was sind die Vorteile?

Der größte Vorteil von anonymen Bewerbungen liegt auf der Hand: sie lassen weniger Raum für Vorurteile und bieten somit Chancengleichheit für alle Bewerber. Darüber hinaus wäre dieses Verfahren der richtige Weg, um junge und talentierte Akademiker mit anderer ethnischer Herkunft einzustellen. Bei dem aktuell herrschenden Fachkräftemangel in Deutschland wäre dieser Aspekt besonders zu berücksichtigen.

Was sind die Nachteile?

Wenn sich ein Personalchef die berufliche Laufbahn eines Kandidaten anschaut oder wenn er einen Blick auf die Jahresangabe seines Schul- oder Universitätsabschlusses wirft, kann er schnell und ohne viel Mühe ausfindig machen, wie alt der Bewerber ungefähr ist. Zwar kann man auf diese Weise unmöglich den Namen rausfinden, aber wenn der Personaler an einer Angabe wirklich interessiert ist, wird er keine Mühe scheuen und sich die Bewerbungsunterlagen im Hinblick auf diesen Aspekt genau anschauen. Vollkommene Anonymität wird den Bewerbern also nicht garantiert.

Auch könnten sowohl für Arbeitssuchende als auch für Unternehmen unnötige Kosten entstehen. Auf der einen Seite müssen Kosten für die Bewerbungsunterlagen und die Reise getragen werden. Auf der anderen Seite investieren die Unternehmen ihre Zeit in Vorstellungsgespräche. Sowohl die Bewerber als auch die Unternehmen haben dabei keine deutlich besseren Aussichten auf eine Stelle bzw. einen passenden Angestellten. Der Zeitaufwand für beide Parteien ist hierdurch enorm.

Fazit

In englischsprachigen Ländern, wie USA oder Großbritannien, wird das anonymisierte Bewerbungsverfahren schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Ob es auch in Deutschland auf Zuspruch stößt, ist jedoch fraglich. Nur wenige Firmen sind für eine derartige Prozedur offen, weil damit unter anderem ein hoher Verwaltungsaufwand verbunden ist. Man kann also davon ausgehen, dass sich die Bewerber in den kommenden Jahren weiterhin auf traditionelle Art bewerben werden.

 

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